22 Februar 2017

Buchtipp für Schwangere: "Das Geburtsbuch" von Nora Imlau

In meinem Geburtsvorbereitungskurs und auch im Freundeskreis habe ich festgestellt, dass es zwei Arten von Erstgebärenden gibt. Die, die sich vor der Geburt viel über mögliche Geburtsverläufe informieren und die, die möglichst unvoreingenommen an die Geburt heran gehen wollen, sich lieber von den Gegebenheiten überraschen lassen, um vorher keine Angst aufzubauen. Ich bewundere diese Entspanntheit.

Ich gehöre zur ersten Gruppe. Übrigens auch in anderen Bereichen des Lebens. Ich kann vor dem Kauf einer neuen Kamera oder Kaffeemaschine nächtelang recherchieren. :D

Mich beruhigte es eher, mir Geburtsberichte anzuhören oder darüber zu lesen. Mir war ja klar, dass eine Geburt kein Zuckerschlecken ist und dass es durchaus mal zu Komplikationen kommen kann, aber nicht muss. Was mir hingegen Angst machte, war uninformiert zu sein und nicht zu wissen, was auf mich zukommt bzw. zukommen kann.

Am meisten geholfen hat mir in der Vorbereitung "Das Geburtsbuch" von Nora Imlau, welches ich euch sehr ans Herz legen kann.

"Ein Kind zu gebären ist eine Grenzerfahrung: Ein Erlebnis, bei dem wir über uns selbst hinauswachsen, an dem wir aber auch beinahe zerbrechen können.
Mein Herzensanliegen ist es, Frauen dabei zu unterstützen, die Geburt zu erleben, die sie sich für sich und ihr Kind wünschen – und dabei offen zu bleiben für die unerwarteten Wendungen, die das Leben manchmal nimmt."
 (Nora Imlau)

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Vorbereiten - Erleben - Verarbeiten. Unterschiedlichen Arten und Verläufe von Geburten werden sehr gut erklärt und durch Illustrationen, schöne Fotos und persönliche Geburtsberichte ergänzt. Das Buch zu lesen macht Mut, es informiert, es tröstet.

Es hilft einem dabei, sich gedanklich mit verschiedenen Geburtsszenarien auseinanderzusetzen und vorab zu überlegen, was einem wichtig ist. Wer sich informiert, hat gute Voraussetzungen, um auch unter der Geburt möglichst selbstbestimmt handeln zu können.

Hier findet ihr einen Überblick über die Themen, die behandelt werden:

Vorbereiten:
  • Wie plane ich eine Geburt und was lässt sich nicht planen?
  • Was genau passiert unter einer Geburt, wie läuft eine Geburt ab? (Geburtsphasen und Gebärpositionen)
  • Wie schmerzhaft ist eine Geburt? Welche Techniken können mir durch die Schmerzen helfen?
  • Was passiert bei einem Kaiserschnitt?
  • Wer hilft mir unter der Geburt? (Hebammen, Ärzte, Partner und Doulas)
Erleben:
  • Welche Wege gibt es, ein Kind auf die Welt zu bringen? (10 Wege von der Alleingeburt bis zum Wunschkaiserschnitt)
  • Besondere Geburten (z.B. Spontangeburt nach Kaiserschnitt, Zwillingsgeburten, Frühgeburten)
Verarbeiten:
  • Über die Gefühle nach der Geburt
  • Über den Körper nach der Geburt
  • Was, wenn die Geburt anders verlief als erhofft?

Ich habe die ersten beiden Teile vor der Geburt gelesen und mir den letzten für danach aufgehoben. Das kann ich so auch absolut weiterempfehlen, denn es tut sehr gut und tröstet (bei Bedarf), den letzten Teil nach dem eigenen Erlebnis zu lesen. Und wenn dann dabei auch das eine oder andere Tränchen läuft, weil die Geburt eben nicht so lief wie erhofft, dann ist auch das heilsam.

Was ich an dem Buch so sehr mag ist, dass kein Geburtsverlauf als "weniger gut" dargestellt oder negativ beurteilt wird. Und das, obwohl die Autorin sich selbst mehrfach für die Hausgeburt entschieden hat. Keine Mutter soll sich im Nachhinein mit ihrem Geburtsverlauf schlecht fühlen müssen. Auch wenn es überraschend zum ungewünschten Kaiserschnitt kam oder wenn man sich unter der Geburt machtlos gefühlt hat.*

Häufig wird nach einem schwierigen Geburtsverlauf gesagt: "Naja, Hauptsache das Kind ist gesund!" oder auch die Mütter selbst sagen "Das war eine schwere Zeit für mich, aber ach, egal!". Ich habe selbst so gesprochen und wurde von meiner Frauenärztin zurechtgewiesen: Es ist eben nicht egal, wie es der Mutter unter und nach der Geburt geht! Das macht auch Nora Imlau in ihrem Buch sehr deutlich. Sie sorgt dafür, dass man sich ernst genommen fühlt und den eigenen Gefühlen der Raum gegeben wird, den sie verdienen.

Also, liebe (werdende) Mamis, wenn ihr in eurem Regal und in euren Gedanken noch Platz für ein weiteres Buch zum Thema Geburt habt, dann schaut euch "Das Geburtsbuch" mal an. Ich kann es euch von Herzen empfehlen.

xoxo

*Natürlich gibt es Geburtserlebnisse, die als so traumatisch empfunden werden, dass die Mutter professionelle Hilfe für die Aufarbeitung benötigt. Da kann ein Buch allein nicht helfen. Solltet ihr euch in dieser Situation befinden, wendet euch bitte vertrauensvoll an eure Hebamme oder euren Frauenarzt. Sie können euch weiterhelfen und die richtigen Kontakte vermitteln. Holt euch bitte die Unterstützung, wenn ihr denkt, dass ihr sie braucht. Ich wünsche euch viel Kraft. ♥ 


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